Ein Lied erklingt, einige Bewohner*innen summen mit. „Rituale geben Sicherheit“, sagt Isabelle Epple, Betreuungsleitung im Haus der Betreuung und Pflege Bad Rappenau. Für sie bedeutet soziale Betreuung Teilhabe, Biografiearbeit und Lebensqualität. Sie führt ein neunköpfiges Team, plant Angebote, koordiniert mit Ärzt*innen, Pflege und Angehörigen und ist täglich auf den Wohnbereichen unterwegs: „Ich möchte spüren, wie es den Menschen geht.“
Welche Projekte prägen den Alltag im Haus der Betreuung und Pflege Bad Rappenau?
Besonders wichtig sind Isabelle Epple zwei Projekte. Die Kooperation „Jung und Alt“ bringt Bewohner*innen aus Eingliederungshilfe und Seniorenzentrum zusammen: Sie basteln, spielen, backen Pizza oder besuchen den Tierpark. „Diese Begegnungen sind eine Bereicherung“, sagt sie.
Das zweite Projekt sind internationale Kochabende: Mitarbeitende wählen ein Land und kochen ein Abendessen aus ihrer Kultur. „Das sind echte Highlights für unsere Bewohner*innen.“
Wie geht man mit herausforderndem Verhalten bei Demenz um?
„Menschen mit Demenz brauchen Halt – und den geben wir durch Struktur“, erklärt Isabelle Epple. Gruppen finden immer zur gleichen Zeit statt, kognitiv fitte und stärker beeinträchtigte Bewohner*innen sitzen bewusst zusammen. Wer mehr Unterstützung braucht, erhält Einzelbetreuung nach seiner Biografie. „Erinnerungsarbeit ist ein Kern unserer Arbeit.“
Eine Erfahrung berührt sie bis heute: Eine Bewohnerin mit fortgeschrittener Demenz war oft aggressiv. Dann erfuhr Isabelle Epple von ihrer Tierliebe – seitdem begleitet die Hündin Abby sie regelmäßig. „Plötzlich war diese Frau wie verwandelt.“
„Es geht nie gegen einen persönlich. Meist steckt Angst dahinter“, sagt sie. Ein Spaziergang kann Unruhe lösen, bei Wut hilft Ruhe und der Blick auf das Bedürfnis. Ihr Leitsatz: Geduld, Humor und Empathie. „Wenn ich ruhig bleibe und mitfühle, verändert sich die ganze Situation.“
Bekannte Gegenstände und Fotos geben zusätzlich Sicherheit. „Haben Sie keine Angst, etwas falsch zu machen. Solange Sie ehrlich und empathisch sind, ist kein Fehler schlimm“, rät sie. Geduld hilft am meisten: „Der Mensch mit Demenz fühlt, wenn er verstanden wird.“
Wie werden Angehörige in die Betreuung einbezogen?
Angehörige können an Gruppen, Festen und Ausflügen teilnehmen. „Viele erleben ihren Vater oder ihre Mutter hier ganz anders“, so Isabelle Epple. Zwei Angehörigenabende im Jahr geben Raum für Austausch, und biografische Informationen von Angehörigen sind für das Team entscheidend: „Das ist gold wert.“
Was macht diesen Beruf für Isabelle Epple besonders?
„Ich liebe an meinem Beruf, dass kein Tag wie der andere ist.“ Sie zitiert Richard Taylor: „Man weiß niemals alles über jeden. Und man weiß ganz sicher niemals alles über Demenz.“ Und sie ergänzt: „Wenn ich sehe, wie Bewohner aufblühen, dann lohnt sich alles. Strahlende Augen sind das Größte.“